Zeit für sich nehmen
Sich bewusst Zeit für sich selbst zu nehmen und eigenen Interessen oder Hobbies nachzugehen, ist nicht egoistisch, sondern ein wichtiger Teil der Selbstfürsorge. Dadurch kann man auch langfristig besser für andere da sein.
Du darfst und sollst dir aktiv
Zeit für dich nehmen!
Wie gelingt das?
Anhand eines Beispiels werden mehrere Strategien aufgezeigt, wie es helfen kann, sich als Angehörige:r mehr Zeit für sich im Alltag zu nehmen.
Simon wohnt mit seiner Partnerin, Anna, und ihrem gemeinsamen Hund Benni zusammen. Anna hat seit einigen Jahren eine chronische Erkrankung, welche mit starker Fatigue einhergeht. Simon unterstützt seine Partnerin, wo er nur kann, sei das beim Übernehmen von Haushaltstätigkeiten, beim Organisieren von Arztterminen oder beim Gassi gehen mit Benni. Seit einiger Zeit merkt er, dass es ihm schlechter geht und er seine persönlichen Bedürfnisse immer mehr vernachlässigt. Er würde gerne wieder mehr Zeit für sich haben, um wieder mal schwimmen zu gehen oder sich mehr mit seinen Freunden zu treffen.
Mit den Betroffenen absprechen
Suchen Sie aktiv das Gespräch mit der betroffenen Person und teilen Sie ihr mit, wie es Ihnen geht und dass Sie mehr Zeit für sich brauchen, damit es Ihrer Gesundheit gut geht. Viele Angehörige berichten, dass sich durch klärende Gespräche untereinander einiges gelöst hat. So kann zusammen nach Lösungen für mehr Freiraum im Alltag gesucht werden.
Simon sucht das Gespräch mit Anna und teilt ihr mit, wie es ihm geht. Anna hat grosses Verständnis dafür. Gemeinsam besprechen sie, dass sich Simon mehr Zeit für sich nehmen soll.
Aktiv Freiräume im Alltag schaffen
Schaffen Sie sich bewusst Freiräume und Zeitfenster im Alltag, um eigene Bedürfnisse und wichtige Aktivitäten und Hobbies wahrnehmen zu können.
Simon plant sich einen fixen Abend in der Woche ein, an dem er mit einem Freund schwimmen geht. Er kocht für diesen Abend jeweils das Essen für Anna vor.
Hier gibt es mehr Informationen und Tipps zum Zeitmanagement und Planen:
Auszeit nehmen von der Arbeit
Wenn es finanziell und organisatorisch möglich ist, können Sie sich überlegen, eine Auszeit von der Arbeit zu nehmen, um zum Beispiel einen Urlaub zu planen.
Simon kann bei seinem Arbeitsgeber zwei Wochen unbezahlten Urlaub nehmen, welchen er für eine Velotour alleine nutzt.
Suche dir Hilfe
Suchen Sie sich aktiv professionelle Hilfe. Zu verbalisieren, was einen beschäftigt, kann helfen, die Situation klarer zu sehen.
Auf Annas Vorschlag geht Simon nun alle zwei Wochen in eine Gesprächstherapie, um seine Erfahrungen mit jemandem zu teilen und sich professionell unterstützen zu lassen.
Hilfreiche Seiten um Psychotherapeut:innen oder psychologische Coachings zu finden (auch für online-Termine):
Information zur Kostenübernahme:
Verantwortung abgeben
Sie sind nicht allein verantwortlich für die Unterstützung der betroffenen Person. Es ist ok und wichtig, um weitere Personen ins Boot zu holen, welche bei Bedarf helfen können.
Seit sich Simon bewusst ist, dass er nicht allein zuständig für Annas Wohl ist, fällt es ihm einfacher, Zeit für sich einzuplanen und zusammen mit Anna nach weiteren Unterstützungsmöglichkeiten zu suchen.
Notfallkonzept
Erstellen Sie ein Notfallkonzept für Situationen, in denen Sie weg sind bzw. Zeit für sich verbringen, falls die betroffene Person plötzlich Hilfe braucht. Darin sind mögliche Szenarien mit Massnahmen und Notfallkontakten enthalten.
Es wurde vereinbart, dass Anna während Simons Schwimmabend und in seinen Veloferien Benni an den Nachbarn abgeben kann, wenn sie Hilfe benötigt. Dieser arbeitet im Homeoffice und freut sich immer über einen Spaziergang mit dem Hund.
Vorlage eines Notfallkonzepts zum Download: